Die Entwicklung von Rapmusik – Zwischen Pop und Rebellion

Seit einigen Jahren hören Musikmagazine und sogar das Feuilleton kaum mehr auf, über Hip-Hop zu schreiben. Unzählige neue Künstler sprießen jede Woche wie Pilze aus dem Boden – und haben durchschlagenden Erfolg. Es bestehen heute keine Zweifel mehr daran, dass Hip-Hop zur einflussreichsten Jugendkultur überhaupt avanciert ist und maßgeblich Trends und sogar die Sprache der Jugendkultur beeinflusst. Wie konnte dieses Genre derartig innovativ werden?

Tanzbar und vielseitig: die Entwicklung von der Sub- zur Popkultur

Noch vor nicht allzu langer Zeit gehörte Rapmusik allenfalls zu einer Subkultur. Die Musikrichtung war streng mit der Idee des „Do it yourself“ (DIY) verbunden. Die Künstler wollten ohne großes Budget, ohne Instrumente und vor allem ohne jahrelanges musikalisches Training eigene, rebellische Stücke erschaffen. Dazu brauchten sie nur ein Aufnahmegerät und einen Plattenspieler.

Die Beats stellten sie aus bereits vorhandenen Musikstücken selbst zusammen, die Reime schrieben sie und sangen sie ein. Das war absolute Selbstermächtigung – und deswegen „Untergrund“. Nicht selten rankten sich die Themen klassischer Rapmusik deswegen um den Alltag der Ausgegrenzten: Kriminalität, Drogen, Waffen und der Traum vom großen Aufstieg.

Heute ist Rap gänzlich anders zusammengestellt. Produzenten und Künstler haben Möglichkeiten gefunden, das Genre für breite Bevölkerungsschichten zu öffnen. Sowohl sind die Produktionen nun deutlich poppiger geworden als auch die Texte zugänglicher. Rap ist Clubmusik und bedient die ganze Breite einer Jugendkultur.

Nicht zuletzt schlägt sich die Popularisierung von Rapmusik auch darin nieder, dass es mittlerweile eine Vielzahl an Medien gibt, die nicht nur die Musik sondern vor allem auch Gerüchte und Zwischenmenschliches in der Rap-Szene diskutieren – vom Rap Magazin bis zum YouTube-Kanal.

Taugt Rap noch zur Rebellion?

Oft wird über Rapmusik gesagt, dass sie aktuell innovativer sei als gegenwärtige Rockmusik. Gitarrenmusik scheint seinen Höhepunkt an Kreativität bis auf Weiteres überschritten zu haben. Tatsächliche Neuentwürfe an Genres gibt es hier nur noch ganz vereinzelt, der letzte große Wurf gelang mit der Grunge-Musik der 90er-Jahre. Danach folgten ab und zu noch einige Revivals.

Rap bringt verlässlich aller paar Jahre neue Variationen hervor, die tatsächlich innovativ sind – beispielsweise kürzlich das Trap-Genre. Rebellisch ist daran aber nur noch selten etwas, vielmehr geht es darum, eine möglichst einfache Konsumierbarkeit und einen hohen Wiedererkennungswert zu schaffen.

Der Anspruch des Punk, einerseits offen im Sinne von selbstermächtigt zu sein, andererseits aber politisch Kontroverse Inhalte in Formen zu präsentieren, die nicht immer „schön“ sind, geht bei neueren Rap-Produktionen gern verloren. Nichtsdestotrotz gibt es Ausnahmen. Eine der prägnantesten Abweichungen von diesem Erfolgsrezept stellt wohl das Musikvideo zum Song „This is America“ des amerikanischen Rappers Childish Gamibno dar.

Dieses ist nicht nur gefüllt mit politisch-kontroversen Szenen, sondern bricht auf oft innerhalb der Musik selbst, womit es sich nur noch bedingt zum einfachen, ungestörten Konsumieren und erst recht schwierig zum Tanzen eignet. Das ist vor allem deswegen interessant, weil Childish Gambino ein anerkannter Künstler mit vielen Fans weltweit ist. Das Beispiel zeigt: Es wird auch in Zukunft spannend bleiben, diesem Genre beim weiteren Wachsen zuzuschauen.

Updated: 5. September 2018 — 20:24
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